- Kurze Geschichte der Globalisierungsproteste
- Martin Jaeggi über Temporary Discomfort I bis III
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Zu Temporary Discomfort IV
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- Das WEF als digitales Mosaik



Kurze Geschichte der Globalisierungsproteste

Seit 1999, als in Seattle beim letzen WTO-Gipfel, zum erstenmal Proteste gegen die Globalisierung eskalierten, sind Treffen der WTO, IMF, Weltbank sowie politische Gipfeltreffen von massiven Sicherheitsaufgeboten begleitet. Die Städte werden temporär zu eigentlichen Festungen (lat. oppidum). Der bisherige Höhepunkt dieser Entwicklung geschah 2001 in Davos, Göteborg und schliesslich in Genua.

Das World Economic Forum in Davos, bekannt seit bald 30 Jahren für seine entspannte Atmosphäre und bis vor wenigen Jahren auch ohne viele Sicherheitsvorkehrungen, wurde im Januar 2001 zu einer befestigten Stadt, oder genauer eine Stadt mit einem halben dutzend Sperrbezirken. Das Kongresszentrum sowie alle Hotels mit mindestens 4 Sternen waren zum Teil gar mehrfach eingezäumt und beleuchtet. Der Davoser Bevölkerung wurde empfohlen am Samstag, dem Tag der angekündigten illegalen Demonstration von Globalisierungs-gegnern, nicht aus aus dem Haus zu gehen. Dies um nicht verdächtig zu werden, denn im Jahr zuvor wurde die Polizei von als Snow-boarder verkleideten Demonstranten überlistet. In den Medien wurde empfohlen Davos zu meiden, US Bügern wurde sogar von der eigenen Regierung empfohlen die Schweiz zu meiden.

Nur etwa 200 Demonstranten erreichten Davos, dem Rest wurde
schon in Landquart die Weiterfahrt verweigert, was schliesslich in Zürich zu gewalttätigen Ausschreitungen führte.
I n Göteborg im Mai 2001 starb zum erstenmal ein Demonstrant, als ein Polizist mit seiner Pistole in die Menge der Demonstrierenden schoss.
Der G8 Gipfel der führenden Industrienationen in Genua übertraf,
bezüglich der Sicherheitsvorkehrungen, in den Dimensionen und der
Radikalität alles bisherige. Die Stadt war während fast einer Woche ausser Betrieb. Bahnhöfe, Flughafen, Fracht- und Fährhafen, selbst
die Autobahn Richtug Frankreich war geschlossen. Die gesamte Innenstadt einschliesslich des riesigen Hafengebiets war von Bewohnern geleert, eingezäunt und mit Sicherheitskräften wieder gefüllt worden. Das Meer in einem Umkreis von 50 km, gesperrt, Raketen-Abwehr in Stellung gebracht und schliesslich sind sämtliche Abwasserschächte verschweisst worden, durch die jemand in diese sog. Rote Zone hätte eindringen können. Auch ausserhalb schien sich kaum mehr wer aufzuhalten, Geschäfte und Restaurants blieben geschlossen. Erst am Sonntag abend kehrten die Leute zurück.


 











Während in Davos immerhin hunderte von schwarzen Audis und herumstehende Chauffeurs das Ereigniss sichtbar werden liessen, war in Genua kein einziges Anzeichen zu sehen, dass irgendeine Verbindung zu den Bildern im TV schuf.

Dafür schuf Genua ein neues Zeichen: Mit Schiffscontainern wurden ganze Strassenzüge verstellt. Der Container ein Zeichen des globalisierten Warenverkehrs wird schliesslich dazu eingesetzt ebendiesen auch politisch zu verteidigen.

Auch in Genua eskalierte die Situation, ein junger Demonstrant starb als sich etwa 1000 Demonstranten mit der Polizei prügelten, während die anderen 200’000end friedlich demonstrierten.

Die Polizei schliesslich spielte verschiedenste fragwürdige Rollen an jenem Tag: Einige verkleideten sich als Journalisten, andere benützten Ambulanz Fahrzeuge und schliesslich überfielen sog. Elitetruppen in der Nacht schlafende Demonstranten.


Zur Arbeit

Die Arbeit verknüpft verschiedene Bereiche der Dokumentar Fotografie: (Stadt-)Landschafts-Fotografie des Territoriums, Momentaufnahme, die an Fotojournalismus grenzen und Polizei-Fotografie, die diesmal auf die Sicherheitsorgane selbst gerichtet.

Meine Arbeit behauptet die Befestigungssituation in Davos und Genua
zu dokumentieren. Aber die Dokumentation ist spekulativ, eine Rekonstruktion mit Fallen. Diese werden die von den Bildern in Medien, die hauptsächlich Aktion und Zerstörung zeigen generiert. Schliesslich spielt die Arbeit auch mit den Erwartungen an Bilder und ihre Abhängigkeit vom jeweilgen Kontext. Eindeutigkeit in der Darstellung kontrasiert zuweilen mit dem Tatsachengehalt und verweist auf das Problem der Darstellbarkeit heutiger Ereignisse, von denen durch permanente Echtzeit-Berichte und Informationsfülle eher desinformiert
als informiert wird.

JS 171101


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